InterviewInterview
INTERVIEW

17 private Kunstsammlungen stellen die Herausgeberinnen Ulrike Geist und Claudia Fenkart-N’jie in der 2011 erschienenen Publikation „Private Art Collections BW – Kunstsammlungen in Baden-Württemberg im Portrait“ vor. Lesen Sie hier einen Ausschnitt aus dem Interview mit Peter W. Klein.

Herr Klein, Sie sammeln gemeinsam mit Ihrer Frau seit 30 Jahren zeitgenössische Kunst und haben rund 1500 Werke in Ihrem Bestand. Was gab Ihnen den Impuls Kunst zu sammeln?

Im Zuge eines Erweiterungsbaus meines Unternehmens kamen meine Frau und ich zum ersten Mal mit zeitgenössischer Kunst in Berührung. Unser Architekt regte uns dazu an, Bilder zu erwerben, um sie im neuen Gebäude aufzuhängen. So haben wir begonnen, kleine Werke regionaler Künstler zu kaufen. Nachdem wir die ersten Kontakte mit Künstlern und Galeristen geknüpft hatten, wollten wir diese für uns bis dato fremde und faszinierende Szene kennen lernen. Von diesem Zeitpunkt an begannen wir spontan und intuitiv Kunstwerke zu erwerben. Aber an den Aufbau einer „richtigen“ Sammlung dachten wir damals nicht. 

Sie sammeln ausschließlich zeitgenössische Kunst.

Ja, wir sammeln ausschließlich Zeitgenössisches seit den 1980er-Jahren. Von den 1500 Werken unserer Sammlung haben wir etwa die Hälfte in den letzten acht Jahren gekauft und die meisten davon sind auch in diesem Zeitraum entstanden. Natürlich könnten wir auch Maler der klassischen Moderne erwerben, aber Werke von Picasso finden Sie überall. Wir finden es spannender, auch unbekanntere Positionen zu sammeln, das schätzen auch unsere Besucher. Natürlich liegt der Reiz der zeitgenössischen Kunst auch darin, in direkten Austausch mit den Künstlern treten zu können und ins Marktgeschehen involviert zu sein.

Von welchen Kriterien lassen Sie sich bei Auswahl der Werke leiten?

Im Gegensatz zu öffentlichen Museen sind Privatsammler viel freier und flexibler in ihren Kaufentscheidungen. Wenn uns etwas gefällt, kaufen wir es. Diese Freiheit zu haben ist natürlich ein Privileg, aber da der Kunstmarkt riesig ist, muss man sich einen Rahmen stecken. Wir haben uns für ein offenes Konzept mit den Sammlungsschwerpunkten Fotografie, Malerei und Aboriginekunst entschieden. Dabei lassen wir uns nur von unseren persönlichen Vorlieben leiten. Das bedeutet auch, dass meine Frau und ich uns nicht von Trends oder dem Marktwert eines Künstlers beeinflussen lassen.

Der Schwerpunkt scheint sowohl in der Fotografie als auch in der Malerei auf figürlichen Darstellungen zu liegen.

Als wir begonnen haben zu sammeln, haben wir viele abstrakte Positionen erworben. Mittlerweile überwiegen sowohl in der Malerei als auch in der Fotografie figürlich-narrative Werke, seien es Porträts, Landschaften oder Architektur. Ein großes Faible haben wir für großformatige, inszenierte Fotografien wie beispielsweise von Rosemary Laing oder Shirin Neshat. 

Auch das Mystische und Geheimnisvolle ist etwas, das sich als ästhetischer Ausdruck und als Motiv durch viele Werke unserer Sammlung zieht. Ein Kunstwerk, das etwas zu verbergen scheint, das nur Andeutungen macht, fordert einen immer wieder heraus und erschöpft sich nie.

Im Herbst 2007 haben Sie Ihr eigenes Museum, das KUNSTWERK, eröffnet. Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen?

Der Bau des KUNSTWERK war für uns ein Bedürfnis, man könnte fast sagen die logische Konsequenz der Sammeltätigkeit. Nach mehr als 25 Jahren haben wir den Wunsch verspürt, all das, was wir zusammengetragen hatten, sichtbar zu machen. Nicht nur für die Öffentlichkeit, sondern auch für uns selbst. Wir hatten 1000 Kunstwerke im Depot gelagert, konnten sie selbst nicht betrachten und geniessen. Als wir beschlossen haben, unsere Sammlung öffentlich zu machen, stand immer fest, dass wir das KUNSTWERK in Nussdorf bauen würden. Wir möchten dem Ort und der Region etwas zurückgeben, schließlich bin ich hier dank meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Wohlstand gekommen.

Ausstellungen zeitgenössischer Kunst sind oft ein Privileg der Städte. Mit unserer Sammlung bringen wir künstlerische Positionen in einen kleinen Ort und laden die Menschen dazu ein, daran teilzuhaben und mit der Kunst und anderen Besuchern in einen Dialog zu treten.

Wie definieren Sie Erfolg für Ihr Haus?

Es war immer unser Ziel, dass das KUNSTWERK von den Menschen in Nussdorf angenommen wird und das ist uns gelungen. Das ist unser wichtigster und größter Erfolg. Die Menschen sind stolz darauf, ein Kunstmuseum im Ort zu haben und vermitteln das auch weiter.


Ulrike Geist und Claudia Fenkart-N’jie (Hrsg.): Private Art Collections BW – Kunstsammlungen in Baden-Württemberg im Portrait, Stuttgart 2011. ISBN 978-3-00-035835-7, leinengebunden mit Schutzumschlag, 160 Seiten.