#VORSCHAU
Die Jury, die über die Vergabe des Stiftungspreises entscheidet, besteht in diesem Jahr aus Stefan Gronert (Kurator für Fotografie und Medien am Sprengel Museum Hannover), Matthias Harder (Kurator und Stiftungsdirektor der Helmut Newton Stiftung, Berlin), Ute Noll (Galeristin in Stuttgart, internationale Kuratorin und Jurorin diverser Fotokunst- und Designpreise), sowie Sophie-Charlotte Opitz (Professorin für Medienwissenschaft an der Hochschule Dortmund und Gastkuratorin des Bucerius Kunst Forums, Hamburg). Unabhängig voneinander haben die vier Expert*innen jeweils zwei künstlerische Positionen nominiert. Da kein Thema vorab festgelegt wurde, waren die Mitglieder der Jury bei ihrer Wahl in Bezug auf die künstlerischen Inhalte der jeweiligen Werke vollkommen frei.
#31
Die Alison und Peter Klein Stiftung verleiht den Stiftungspreis Fotokunst 2026 zum siebten Mal. 2009 ins Leben gerufen und zunächst jährlich verliehen, erfolgt die Vergabe seit 2017 alle drei Jahre. Mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro möchte die in Eberdingen-Nussdorf ansässige Stiftung in Deutschland lebende Fotograf*innen unterstützen.
Ebe
EBENE 1 | JAKOB GANSLMEIER & ANA ZIBELNIK / JOHANNA JAEGER
ne 1 | NINA RÖDER

JAKOB GANSLMEIER (*1990) & ANA ZIBELNIK (*1995) arbeiten seit 2020 gemeinsam an Foto- und Videoprojekten. In einer fast vier Meter hohen Videoskulptur und einer begleitenden Fotoserie thematisiert die Arbeit Bereitschaft, wie die Wehr- und Körperideale von Arno Brekers Kriegerstatue Bereitschaft (1939) im Jahr 2023 auf der Plattform TikTok als Ausdruck von Selbstdisziplin im Fitnessbereich trendeten und dabei mit faschistischen Untertönen, Militarismus, Frauenfeindlichkeit und reaktionären Tendenzen verknüpft wurden. Rechtsextreme Ideologien wurden so durch die gängige Bildsprache der sozialen Medien normalisiert und verbreitet.
JOHANNA JAEGER (*1985) arbeitet konzeptuell mit dem Verhältnis von Zeit und Fotografie, indem sie fotografische Prozesse wie Belichtung, Entwicklung und Positiv/Negativ zu einer eigenständigen Bildsprache verdichtet. Ihre Werke thematisieren flüchtige, zeitgebundene Phänomene und setzen diese als poetische und zugleich analytische Reflexionen über Bildfindung und mediale Prozesse um.

Ebe
EBENE 2 | JÖRG BRÜGGEMANN / LILLY LULAY / CHRISTIAN RETSCHLAG / JANA SOPHIA NOLLE / SOPHIA KESTING & DANA LORENZ / JOHANNA SCHLEGEL
ne 1 | NINA RÖDER

JÖRG BRÜGGEMANN (*1979) stellt Fotografien aus seiner dreiteiligen Serie Tres Viajes aus. Die Werke, die während dreier Reisen in den Jahren 2018, 2019 und 2022 entstanden sind, sind eine Erkundung Südamerikas bzw. Chiles, seiner Natur und seiner Menschen. Auf der ersten Reise verarbeitet er den Tod seiner Mutter künstlerisch, auf der zweiten dokumentiert er die sozialen Unruhen und die Gewalt, die damals in Chile herrschten. Die Werke der dritten Reise – in der Ausstellung nicht zu sehen – erzählen von einem Mann und einer Frau, die viele Kilometer voneinander getrennt leben. Die das gesamte Projekt umfassende Publikation Tres Viajes liegt zur Ansicht aus.
LILLY LULAY (*1985) setzt sich in ihren Arbeiten mit der Fotografie als kulturellem Instrument auseinander, das einen festen Bestandteil des Alltags darstellt. Im vollen Bewusstsein der heutigen Bilderflut nutzt Lulay eigene und fremde Fotografien als Ausgangsmaterial. Mit einer Vielzahl von Techniken, die vom Laserschneiden bis zur Stickerei, von der Installation bis zur Collage reichen, verwandelt sie Fotografien in greifbare Objekte.

In seiner künstlerischen Arbeit interessiert sich CHRISTIAN RETSCHLAG (*1987) für das Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Meist arbeitet er sehr reduziert und verwendet Schwarz-Weiß-Filme. Oft liegt sein Fokus auf beiläufigen Dingen, die sich in seinen Fotografien zu stiller Poesie verwandeln. Seine Motive sorgen für eine unmittelbare Entschleunigung bei der Betrachtung.
JANA SOPHIA NOLLE (*1986) arbeitet multidisziplinär und verbindet die Bereiche Forschung, Beobachtung, Dokumentation, Fotografie, Video und Installation. Dabei bewegt sie sich in öffentlichen und privaten Räumen, überbrückt widersprüchliche Welten, macht Machtverhältnisse sichtbar und weist auf soziale Missstände hin. In der Studie Living Room werden provisorische Behausungen von Obdachlosen mitten in den Wohnzimmern wohlhabender Menschen gezeigt.
SOPHIA KESTING (*1983) & DANA LORENZ (*1984) arbeiten neben eigenen Projekten seit 2012 gemeinsam an fotografischen
Langzeitprojekten. Von 2012 bis 2024 haben sich die beiden fotografisch mit dem brachliegenden Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig auseinandergesetzt. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Asphalt, Steinen und Scherben dokumentieren Materialität, Nutzungsweisen, reale Ereignisse und inszenierte Handlungen. Die zugehörige Publikation betont, wie zentral auch die eigenen Biografien und Identitätsfragen einer ganzen Generation, die in der späten DDR geboren wurde, für das Werk sind.
Die mehrteilige Arbeit morgen kommen wir nicht wieder von JOHANNA SCHLEGEL (*1986) thematisiert Flüchtlingserfahrungen und die lebenslange Sehnsucht nach der Heimat. Sie ist inspiriert von Friedrich Karopka, einem der 14 Millionen deutschen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg, und seinen Gemälden, die seine schlesische Heimatlandschaft zeigen. In den meisten Arbeiten von Schlegel, so auch hier, ist der Ausgangspunkt bereits vorhandenes fotografisches Material aus Archiven, Antiquariaten, von Flohmärkten oder Webseiten.
Ebe
EBENE 3 | WERKE AUS DER SAMMLUNG KLEIN
ne 1 | NINA RÖDER
Parallel zur Ausstellung Stiftungspreis Fotokunst werden auf der dritten Ausstellungsebene Werke aus der Sammlung Alison und Peter W. Klein präsentiert.
Die Auswahl entspringt der Auseinandersetzung mit den Arbeiten des Stiftungspreises Fotokunst. Sie folgt der Idee, Werke hinsichtlich ihrer physischen und/oder inhaltlichen Ebenen und Schichten zu betrachten. Einige der präsentierten Arbeiten erzeugen durch ihre Art der Malerei eine Illusion von Ebenen und Schichten. Andere lassen mittels Überlagerungen, Transparenzen, Reihungen oder räumlicher Anordnungen multiple Dimensionen und Tiefe entstehen. Neben diesen abstrakten Positionen finden sich erzählerische Werke, deren Ebenenstruktur auch für inhaltliche Vielschichtigkeit steht.














