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#RUNDGANG

Ebene 1 | NINA RÖDER

Nach dem Tod von Nina Röders Großeltern innerhalb eines Jahres galt es 2017, deren Haus zu räumen. Den Entscheidungsprozess, von welchen Gegenständen man sich trennt, welche als Erinnerungsstücke aufbewahrt werden, begleitet die Künstlerin mit ihrer Serie Wenn du gehen musst willst du doch auch bleiben. In ebenso bewegender wie humorvoller Weise fotografiert Nina Röder letztmals die Einrichtung des Hauses sowie persönliche Gegenstände: performativ in Szene gesetzt zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Cousine, die Kleider der Großmutter tragen.

Flowers she got, aus der Serie Wenn du gehen musst willst du doch auch bleiben, 2017, Fine Art Print, 50 x 50 cm, ©Nina Röder und Galerie Burster Berlin – Karlsruhe
Glasses, aus der Serie Wenn du gehen musst willst du doch auch bleiben, 2017, Fine Art Print, 50 x 50 cm, ©Nina Röder und Galerie Burster Berlin – Karlsruhe

Ebene 1 | MARIE ZBIKOWSKA

Ohne Titel, aus der Serie Im Bau, 2017, 9-teilig, Gelatine Print, 80 x 64 cm, ©Marie Zbikowska
Ohne Titel, aus der Serie Im Bau, 2017, 9-teilig, Gelatine Print, 80 x 64 cm, ©Marie Zbikowska

Woran erinnern wir uns, fragt Marie Zbikowska, wenn wir die Wahrnehmung von Räumen, von baulichen Gegebenheiten aus dem Gedächtnis abrufen? Der fragmentarische Charakter des Erinnerns spiegelt sich in ihrem Werkprozess, indem sie eine Essenz eines ursprünglich Geschauten zunächst nachbildend rekonstruiert und im nächsten Schritt das neu Gebaute zum fotografischen Gegenstand werden lässt. Das Versinken von Gedächtnisinhalten, das mit dem Speichern derselben verbunden ist, führt zur Auseinandersetzung mit dem Aspekt des Archivierens und dem thematischen Aufgreifen sogenannter Zeitkapseln, wie sie auch bei Grundsteinlegungen verwendet werden.

Kapsel, 2019/2020, Inkjet Prints, je 93 x 75 cm, Objekte (Kapseln), Wachs, Gips, je ca. 30 x 8 cm, ©Marie Zbikowska

Ebene 2 | LOUISA CLEMENT

heads, 2014/15, Inkjet Prints, je ca. 37 x 22 – 28,3 cm, Installationsansicht Remote Control, Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen, Detail, ©Louisa Clement, Cassina Projects

Gesichtslose Porträts. Atavare. Leere Körper. Die Protagonisten in den Fotografien von Louisa Clement sind künstliche Wesen, jeglicher Identität enthoben. Schaufensterpuppen dienen in den Arbeiten der Künstlerin als Stellvertreter für Menschen. Die Fotografien – auf den ersten Blick scheinbar visionär, fiktional – zeichnen ein irritierendes Bild unseres gegenwärtigen Lebens. Im anonymen Gegenüber oder im beziehungslosen Miteinander der Figuren lassen sie fragen, ob unsere Vorstellung des Humanitären dem Jetzt oder der Vergangenheit angehört.

Avatar 1, 2016, Inkjet Print, 115 x 86 cm, ©Louisa Clement, Cassina Projects
Avatar 4, 2016, Inkjet Print, 115 x 86 cm, ©Louisa Clement, Cassina Projects

Ebene 2 | SABRINA JUNG

Mona, 2018, aus der Serie WoMen, 12-Farb Pigmentdrucke, koloriert mit Eiweißlasur, 60 x 40 cm, ©Sabrina Jung, VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Jen, 2018, aus der Serie WoMen, 12-Farb Pigmentdrucke, koloriert mit Eiweißlasur, 60 x 40 cm, ©Sabrina Jung, VG Bild-Kunst, Bonn 2020

In der Tradition der Appropriation Art stehend, verwendet Sabrina Jung in ihrer Arbeit bereits reproduzierte Bilder: Fremdmaterialien mit unterschiedlicher zeitlicher und medialer Kontextualität. Sie collagiert ausgeschnittene Gesichter aus heutigen Modemagazinen auf fotografische Frauenporträts, die aus den 1920er bis 1960er Jahren stammen. Während in Schöne Frauen veränderte Schönheitsideale aufeinandertreffen, thematisiert die Künstlerin in der Serie WoMen Aspekte der Geschlechtsidentität. Historische Porträts von Frauen mit androgyn-maskulinen Zügen werden von ihr übermalt, weiblich geschminkt.

Untitled no 15 / Untitled no 9 / Untitled no 12 / Untitled no 8 / Untitled no 4 / Untitled no 7, aus der Serie Schöne Frauen, 2011, 12-Farb Pigmentdrucke, Collagen, je 60 x 40 cm, ©Sabrina Jung, VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Ebene 2 | ISABELLE GRAEFF

Brighton, aus der Serie Exit, 2016-18, C-Print, Handabzug, 149 x 103 cm, ©Isabelle Graeff

Isabelle Graeff kehrt 2015 nach dem Tod ihres Vaters nach Großbritannien zurück, wo sie studiert hat. Von London aus nähert sie sich erneut dem Land an. Dabei entsteht die Fotoserie Exit: emotional geprägte, poetische Aufnahmen, welche die Verfasstheit einer Nation kurz vor der Entscheidung des Brexits wiedergeben. Als Langzeitprojekt schreibt sich ihre Serie My Mother and I seit fast zwanzig Jahren fort und zeichnet ein Bild von der Beziehung zwischen Mutter und Tochter.

Blackpool, aus der Serie Exit, 2016-18, C-Print, Handabzug, 103 x 149 cm, ©Isabelle Graeff
Spaldwick/ Lizard Point, aus der Serie Exit, 2016-18, C-Prints, Handabzug, je 95 x 65 cm, ©Isabelle Graeff

Ebene 2 | ANDREA GRÜTZNER

Ohne Titel 1, 2014, aus der Serie Erbgericht, Pigment Print, 149,3 x 100 cm, ©Andrea Grützner, Courtesy Robert Morat Galerie, Berlin
Ohne Titel 10, 2014, aus der Serie Erbgericht, Pigment Print, 149,3 x 100 cm, ©Andrea Grützner, Courtesy Robert Morat Galerie, Berlin

Andrea Grützners Serie Erbgericht ist nach ihrem Entstehungsort benannt. Der Gasthof, der seit über 100 Jahren in der Heimatgemeinde ihrer Familie geführt wird, ist als Räumlichkeit mit vielfältigen Erinnerungen belegt. Doch “die gesetzte räumliche Struktur erzählt nicht von sich aus, es sind unsere Projektionen, die sie einfärben”, sagt die Künstlerin. Analoge Technik verwendend, überblendet sie ausgewählte Raumausschnitte mit farbigen Schatten. Sie überschreibt damit die geschaute Wirklichkeit des Ortes, zum Teil bis zu deren völliger Übersetzung in ein malerisch-grafisches Bild.

Ohne Titel 21, 2019, aus der Serie Erbgericht, Pigment Print, 149,3 x 100 cm, ©Andrea Grützner, Courtesy Robert Morat Galerie, Berlin

Ebene 2 | CHRISTIANE FESER

Partition 141, 2020, Foto Objekt, Unikat, Archival Inkjet Pigment Print, 100 x 140 x 2 cm, © Christiane Feser, Courtesy Galerie Anita Beckers, Frankfurt a.M.

Die abstrakten, reliefhaften Foto-Objekte von Christiane Feser beruhen zunächst auf Elementen aus gefalteten Papieren, welche die Künstlerin herstellt, zu modularen Strukturen zusammenfügt und anschließend – mit Licht und Schatten den Bildraum auslotend – fotografiert. Der zweidimensionale Foto-Abzug des dreidimensionalen Gefüges wird durch Schneiden und Auffalten erneut plastisch bearbeitet. Dabei schreibt sich das fotografische Bild dem Objekt ein und lassen dessen Betrachtung zu einem Vexierspiel zwischen Fläche und Raum werden.

Partition 115, 2018, Foto-Objekt, Unikat, Archival Inkjet Pigment Print, 200 x 140 x 2 cm, © Christiane Feser, Courtesy Galerie Anita Beckers, Frankfurt a.M.

Ebene 3 | MÅRTEN LANGE

Wave / Hotel ruin / Lizard / Birds nest, aus der Serie Chicxulub, 2016, Archival Pigment Prints, je 32 x 24 cm, ©Mårten Lange, Courtesy Robert Morat Galerie, Berlin

Mårten Lange – seit seiner Kindheit fasziniert von der vergangenen Welt der Dinosaurier – reist nach Mexiko, sucht den Chicxulub-Krater auf, wo der Asteroid einschlug, der das Leben der urzeitlichen Wesen beendete. Die Aufnahmen situativ wahrgenommener Tiere und Landschaften, die einem längst Vergangenen nachspüren, stehen kontrastreich der Werkgruppe The Mechanism gegenüber mit Bildern einer heutigen, urbanen Welt, die von einer unpersönlichen gesellschaftlichen Kälte gezeichnet ist.

Melting man, 2017, aus der Serie The Mechanism, Archival Pigment Print, 120 x 90 cm, ©Mårten Lange, Courtesy Robert Morat Galerie, Berlin

Ebene 3 | MORGAINE SCHÄFER

Archiv No. 2303 (Pose), 2016, Inkjet Print, 100 x 80 cm, © Morgaine Schäfer, Courtesy @ fiebach, minninger, VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Archiv No. 2301 (Pose 2), 2016, Inkjet Print, 100 x 80 cm, © Morgaine Schäfer, Courtesy @ fiebach, minninger, VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Das Selbstporträt ist ein zentrales Thema in der Kunst von Morgaine Schäfer. Sie präsentiert sich in antiquiert erscheinenden Posen, die der ikonografischen Tradition des Sujets entstammen und sich dadurch geradezu anachronistisch zum “Posing” digitaler Selfies in Bezug setzen. Eine wesentliche Bedeutung erhalten in ihrer Arbeit alte, gerahmte Dias von Schnappschüssen der Familie: Wie die dinglichen Attribute in der historischen Bildnismalerei erscheinen sie als Verweise auf die persönliche Identität.

explanatory (BWS 1069, Woman with a Cigarette), 2018, 3-teilig, Inkjet Print, je 50 x 40 cm, © Morgaine Schäfer, Courtesy @ fiebach, minninger, VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Ebene 3 | JEWGENI ROPPEL

Skelling Michael, aus der Serie Mothar, 2017, Fine Art Print, Maße variabel, ©Jewgeni Roppel

Jewgeni Roppel widmet sich in seiner Arbeit Mothar der Geschichte und Gegenwart Irlands. Auf seiner Reise durch das Land fragt er danach, welche Orte, welche Bauten, welche landschaftlichen Besonderheiten, welche Mythen und Zeugnisse aus historischer Zeit und welche Phänomene der Gegenwart dessen Identität prägen. An Aby Warburgs Bilderatlas Mnemosyne anknüpfend, erzählt er mit seinen Fotografien gleichermaßen exemplarisch wie assoziativ vom kulturellen Selbstverständnis des Landes.

Roots and the Readhead-Girl / Dunlough Castle, aus der Serie Mothar, 2017, Fine Art Prints, Maße variabel, ©Jewgeni Roppel
Ruin, aus der Serie Mothar, 2017, Fine Art Print, Maße variabel, ©Jewgeni Roppel