#VORSCHAU
Ebe
EBENE 1, 2 und 3 | DEN (AUGEN)BLICK SEHEN!
ne 1 | NINA RÖDER

Die 30. Hängung im KUNSTWERK zeigt zeitgenössische Malerei und Fotografie aus der Sammlung Klein und lädt dazu ein, die Vielschichtigkeit des Blicks zu erkunden. Der Titel der Ausstellung kann durchaus als Aufforderung verstanden werden: Den (Augen)Blick sehen! Durch die Zusammenstellung von Werken, die den Blick in all seinen Facetten zeigen, entsteht eine visuelle Reise: Betrachter und Betrachterinnen sind dazu eingeladen, sich ganz und gar auf den (Augen)Blick zu konzentrieren und zu schauen, sowie die eigenen Wahrnehmungen, Projektionen und die durch den Blick geprägte Beziehung zwischen sich und den Dargestellten zu reflektieren. Es geht in dieser Ausstellung um die wechselseitige Wirkung des Blicks sowie um seine Funktion als vielschichtiges Kommunikationsmittel.


Die über 60 gezeigten Gemälde und Fotografien von u. a. Gregory Crewdson, Xenia Hausner, Gottfried Helnwein, Alex Katz, Tracey Moffatt, Shirin Neshat, Michelangelo Pistoletto und Arnulf Rainer halten den Blick der abgebildeten Personen in einem bestimmten Augenblick fest: Wohin schauen die Personen? Richtet sich ihr Blick auf etwas innerhalb oder außerhalb des Bildraumes? Sind ihre Augen geschlossen und ist ihr Blick nach innen gerichtet? Was verraten ihre Augen und ihre Mimik über ihre inneren Welten? Sagt ihr Blick etwas aus über ihre soziale oder gesellschaftliche Situation oder Rolle aus? Lässt sich etwas über Beziehungen oder Machtverhältnisse erfahren? Ein scheuer oder offensiver Blick, ein verträumter, in sich gekehrter oder nachdenklicher Blick – oft sind es allein die Augen, die eine große Geschichte erzählen. Die unendliche Vielfalt des Blicks macht deutlich: Der Blick ist eine der faszinierendsten und komplexesten Ausdrucksformen menschlicher Identität. Der Blick wird als Schlüssel zur Seele betrachtet, der Gefühle und Gedanken zu offenbaren vermag.
Die Betrachtung der Dargestellten und ihrer unterschiedlichen Blicke kann zu ganz unterschiedlichen Reaktionen beim Publikum führen. Vorstellungen, Emotionen, Erwartungen, Vermutungen, Projektionen und Deutungen werden auf die Dargestellten projiziert. Wie beeinflusst die eigene Wahrnehmung, was gesehen und wie der Ausdruck der Anderen eingeordnet wird? Wie verändern sich die Interpretationen je nach Kontext und Stimmung?

Die Kraft des Blickens zu erspüren, wird zu einer Erfahrung, die gerade in der heutigen Zeit besonders bereichernd sein kann. Beobachten wir uns selbst oder unser Umfeld, so stellen wir fest, dass wir uns immer seltener in die Augen schauen – nicht auf den Blick achten. Im Aufzug, im Wartezimmer, an der Bushaltestelle oder in der Bahn ist der Blick meist auf das Smartphone fixiert. Auch wenn der Bedarf an Kommunikation und Verbundenheit offenbar weiterhin besteht, wird der Blickkontakt immer seltener. Diese Ausstellung soll dazu anregen, diesen Gewohnheiten entgegenzuwirken und wieder neu zu schauen – Blickkontakt aufzunehmen!






